Thursday 18 February 2010

Das Große Fasten in der Malankarisch-Syrisch-Orthodoxen Kirche

In der Syrisch-orthodoxen Kirche geht dem frohen Fest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus eine lange Vorbereitungszeit voraus - das ist die Große Fastenzeit, die dieses Jahr vom 14. Februar bis 4. März dauert. Das Fasten ist eine freiwillige Askese, ein Hinweis darauf, Gott und seinen Geboten gehorsam zu sein und ein Praktizieren der Gebote Gottes, in dem man sich freiwillig des Essens und des Trinkens für eine bestimmte Zeit enthält, danach nimmt man leichte Speisen zu sich, die frei von tierischen Fetten sind, so dass der Fastende sich auf das Verzehren von Getreide, Hülsenfrüchten, Obst und pflanzlichen Fetten beschränkt und sich der tierischen Produkte enthält mit Ausnahme der Fische und aller Meerestiere und dem Honig, denn die Bienen sind Tiere ohne Begierde.


Das vierzigtägige Fasten

     Das eigentliche Fasten dauert 40 Tage und soll an die Leidenszeit Jesus Christi in der Wüste erinnern. Älteste christliche Schriftgelehrte sagen einstimmig aus, dass Fasten von den Aposteln festgesetzt wurde, um es dem vierzigtägigen Fasten von Moses, Elias und Jesus Christus, der ebenfalls vierzig Tage lang gefastet hatte, gleichzutun. Die Große Fastenzeit umfasst die Vierzig Tage, zwei Feste – den Lazarus-Samstag und den Palmsonntag – und die Karwoche. Insgesamt dauert sie 48 Tage. Sie heißt Große Fastenzeit, nicht nur wegen ihrer Länge (sie ist länger als alle anderen Fastenzeiten), sondern auch wegen der großen Bedeutung dieser Fastenzeit im religiösen Leben des Christen. Das eigentliche Fasten dauert 40 Tage und soll an die Leidenszeit Jesus Christi in der Wüste erinnern. Nach seiner Taufe durch Johannes wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, um dort vom Teufel versucht zu werden. Jesus aß und trank nichts, sondern konzentrierte sich auf seinen Geist.


Das Fasten ist eine Zeit der Buße
     Das Fasten bedeutet nicht nur den Verzicht auf den Verzehr gewisser Lebensmittel, sondern auch auf alle schädlichen Angewohnheiten und auf jegliches Vergnügen. Das ist eine Zeit der Buße, der Überlegungen und eifriger Gebete. Das Ziel jeder Fastenzeit ist es, sich in Enthaltung, in der Reinigung der Seele von Leidenschaften und sündhaften Absichten zu üben sowie den Körper und die Seele dem Geist zu unterwerfen. Während dieser Zeit übten die Gläubigen mit den Armen Barmherzigkeit, und darum sagt der Heilige Ephräm der Syrer († 373) im vierten Jahrhundert: "Faste das Fasten der vierzig Tage und gib Brot dem Hungrigen, und bete am Tage siebenmal so wie du es von dem Sohn Jesse gelernt hast."


Die Fastenzeit im orthodoxen Kirchenjahr
     Das Große Fasten in der Orthodoxen Kirche beginnt 48 Tage vor Ostern, gleich nach dem Sonntag von Kana. Dies ist die wichtigste und längste Fastenzeit im orthodoxen Kirchenjahr. Auf die ersten 40 Tage des Großen Fastens folgen der Lazarus-Samstag, der Palmsonntag und die Karwoche. Während der ganzen Fastenzeit wird von Montag bis Freitag (außer dem Fest "Mariä Verkündung") die göttliche Liturgie nicht gehalten.


Zur  Geschichte des großen Fastens
     Im christlichen Festkalender geht die österliche Fastenzeit (Quadragesima) dem Osterfest voran, das das Konzil von Nicäa 325 auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond (in Jerusalem). festsetzte. Ostern ist deshalb ein beweglicher Festtermin, der in die Zeit zwischen den 22. März und den 25. April (die sogenannten Ostergrenzen) fallen kann. Der Termin der Fastenzeit ist beweglich und definiert sich im Verhältnis zu Ostern durch die Länge der Fastenzeit.  Das vierzigtägige Fasten wurde im dritten Jahrhundert verkündet und im zweiten Viertel des vierten Jahrhunderts hat man die Leidenswoche hinzugefügt, die lange Zeit vor diesem Fasten gefastet wurde und so wurde aus dem vierzigtägigen Fasten zusammen mit der Leidenswoche ein siebenwöchiges Fasten.


Die Ordnung des Fastens
     Während des Fastens dürfen keine tierischen Erzeugnisse gegessen werden. Dazu gehören neben Fleisch auch Milchprodukte, Eier und Fisch. Mindestens die erste und letzte Woche des Fastens sowie Mittwochs und Freitags während der Fastenzeit muss man Fastenspeisen haben, d.h. Essen ohne Tierprodukte.


     Aus diesem Grunde erließ der Patriarch Ellias III. († 1932), selig sei sein Gedenken, ein  Dekret, Fisch während der vierzigtägigen Fastenzeit essen zu können, und er erlaubte den Gliedern der Kirche in Amerika, lediglich die erste und letzte Woche von der großen Fastenzeit vor Ostern zu fasten und die Tage des Mittwochs und des Freitags dazu, und an den anderen Tagen dazwischen dürfen sie das Fasten brechen.

Der Patriarch Aphram I. Barsaum († 1957), selig sei sein Gedächtnis, erlaubte ebenso auf eine Bitte der Kirche in Indien, die restlichen Fastentage im Jahr für die gesamte Kirche zu reduzieren.     

     Der Patriarch Yacoub III. († 1980) erlaubte, lediglich die erste und letzte Woche von dem vierzigtägigen Fasten vor Ostern zu fasten und die Tage des Mittwochs und des Freitags dazu, und an den anderen Tagen dazwischen dürfen der Klerus und das Volk das Fasten brechen. Er erlaubte ihnen an den Tagen, die sie innerhalb dieses Fastens nicht fasten, auch tierische Produkte zu sich zu nehmen. Dies geschah im Jahre 1966. Und er erlaubte zusätzlich, auch in den Tagen zwischen den beiden Wochen, also die Woche mit dem Beginn der Fastenzeit und die letzte Woche, die die Leidenswoche ist, Feste, Hochzeiten, Taufen, die Eucharistie und das Gedenken der Heiligen zu feiern. 

     Unserer heutige Patriarch Zakka I Iwas hat im Dezember 2009 auf eine Bitte der Kirche  in Indien der alten Fastenordnung wiederhergestellt. Während des Fastens dürfen keine tierischen Erzeugnisse nach dem neuen Dekret gegessen werden. Dazu gehören neben Fleisch auch Milkprodukte, Eier und Fisch.


Neue Formen des Fastens
     Der heutige Lebensrhythmus macht die bisherige Form des Fastens problematisch. Jeder ist darum aufgerufen, neue Wege der Bußgesinnung zu beschreiten. Neben dem Gebet hat sich das Fastenopfer für Notleidende herausentwickelt. Der Verzicht auf Speise oder eine bestimmte Tätigkeit ist durchaus sinnvoll, zumal wenn das Ersparte den Armen gegeben wird. Die materielle und finanzielle Bereitschaft, anderen Menschen zu helfen, ist gegenüber der Wohlstandsgesellschaft zu dem wesentlichen Fastenzeichen geworden.

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